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Dietrich Bonhoeffer

Unser Namensgeber Dietrich Bonhoeffer

Vor über 60 Jahren, im März 1960, erhielt unser Gymnasium auf Vorschlag des damaligen Lehrerkollegiums seinen heutigen Namen „Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium“. Doch wer war Dietrich Bonhoeffer, weshalb wurde er zum Namenspatron unserer Schule gewählt und was bedeutet diese Wahl für uns heute? 
 

Kurze Biografie

Dietrich Bonhoeffer wurde am 4. Februar 1906 in Breslau (heute zu Polen gehörig) geboren. Er studierte in Tübingen und Berlin Evangelische Theologie, wurde 1931 in Berlin zum Pfarrer ordiniert und hielt Vorlesungen als Dozent für Theologie an der Berliner Universität. Dort leitete er auch eine Studentengemeinde.
Nachdem die Nationalsozialisten nach der Machtergreifung von Adolf Hitler im Jahre 1933 die Juden zunehmend verdrängten und verfolgten, engagierte sich Dietrich Bonhoeffer öffentlich gegen die „Deutschen Christen“, eine protestantische Strömung, die die Ideologie des Nationalsozialismus für die Kirche übernehmen wollte, und gegen den „Arierparagraphen“, in dem Juden von bestimmten öffentlichen Ämtern ausgeschlossen wurden. 
Er gehörte zu den Mitbegründern des „Pfarrernotbundes“, der den Arierparagraphen als unvereinbar mit dem Christentum erklärte und aus dem sich 1934 die „Bekennenden Kirche“ entwickelte. Die Bekennende Kirche richtete sich insbesondere gegen die Deutschen Christen und gegen ihre Vereinnahmung des Christentums für politische Zwecke. Aufgrund seiner regimekritischen Äußerungen erhielt Dietrich Bonhoeffer 1940/41 Rede- und Schreibverbot.  
Nachdem sich der Nationalsozialismus mit seiner menschenverachtenden Ideologie in Deutschland weiter ausbreitete, knüpfte er engeren Kontakt zur Widerstandsbewegung gegen Hitler, blieb aber eher im Hintergrund.
1944 wurde er jedoch mit dem missglückten Attentat auf Hitler in Verbindung gebracht und angeklagt. Am 9. April 1945, also nur einen Monat vor dem Ende des 2. Weltkrieges in Europa, wurde er im Alter von 39 Jahren im Konzentrationslage Flossenbürg zum Tod durch den Strang verurteilt und hingerichtet.
 

Dietrich Bonhoeffers Botschaft

Dietrich Bonhoeffer war einer der ersten Kirchenvertreter, der öffentlich gegen den von den Nationalsozialisten proklamierten Antisemitismus Stellung bezog – und blieb lange Zeit auch einer der wenigen, der dies so eindeutig tat, während die offizielle protestantische und katholische Kirche diese Ideologie teilweise unterstützte, zumindest aber tolerierte. Damit setzte er sich auch für die universellen Menschrechte ein – unabhängig von ethnischer Herkunft und religiösem Bekenntnis.
Darüber hinaus vertrat er die Ansicht, dass der Kirche durchaus die Aufgabe zufällt, staatliches Handeln zu beobachten und, falls sie der Ansicht ist, dass der Staat christlichen und rechtsstaatlichen Grundsätzen widerspricht, mit Rat und Tat einzugreifen: „Tatenloses Abwarten und stumpfes Zuschauen sind keine christlichen Haltungen.“
Berühmt sind seine diesbezüglichen Worte, dass man moralisch verpflichtet sei, „nicht nur die Opfer unter dem Rad zu verbinden, sondern dem Rad selbst in die Speichen zu fallen“.
Damit ist Dietrich Bonhoeffer für nachfolgende Generationen ein Vorbild dafür, offensichtliches Unrecht nicht widerstandslos hinzunehmen, sondern dagegen anzukämpfen, und sei es auch unter Inkaufnahme eigener Nachteile. Er hat die Verbindung von politischer Verantwortung mit christlicher Bindung nicht nur gefordert, sondern auch aktiv gelebt.  
Er selbst hat diese Einstellung mit seinem Leben bezahlen müssen, aber sein Gottvertrauen hat ihn niemals verlassen, und noch wenige Tage vor seinem Ende hat er einem Mitgefangenen folgende Botschaft an einen Freund diktiert: „Sagen Sie ihm, … dass dies für mich das Ende, aber auch der Anfang ist. Mit ihm glaube ich an das Prinzip unserer universellen christlichen Brüderlichkeit, die über alle nationalen Interessen hinausgeht, und dass unser Sieg sicher ist“.  
 

Zitate von Dietrich Bonhoeffer

„Es gibt kaum ein beglückenderes Gefühl, als zu spüren, 
dass man für andere Menschen etwas sein kann.“
 
„Das Gute verlangt nach dem Ganzen, 
nicht nur nach der ganzen Gesinnung, 
sondern auch nach dem ganzen Werk,
nach dem ganzen Menschen 
mitsamt den ihm gegebenen Mitmenschen.“
 
„Der Mensch lebt notwendig in einer Begegnung mit anderen Menschen,
und ihm wird mit dieser Begegnung in einer je verschiedenen Form 
eine Verantwortung für den anderen Menschen auferlegt.“
 
„Gehorsam folgt blind, 
Freiheit hat offene Augen. 
Gehorsam handelt ohne zu fragen, 
Freiheit fragt nach dem Sinn. 
Gehorsam hat gebundene Hände, 
Freiheit ist schöpferisch.
Im Gehorsam befolgt der Mensch 
die Gebote Gottes, 
in der Freiheit schafft der Mensch 
neue Gebote. 
In der Verantwortung realisiert sich beides, 
Gehorsam und Freiheit.“
 
 

Zitate von Schülerinnen und Schülern

der Stufe Q2 zu der Frage: „Welche Bedeutung hat für mich Dietrich Bonhoeffer als Namensträger unserer Schule?“ im November 2020
 
„Dietrich Bonhoeffer ist ein Vorbild. Sein christlicher Glauben hat ihm die Kraft gegeben, auch in den dunkelsten Stunden voller Zuversicht zu bleiben. Diese Wesensstärke zeigte sich dann insbesondere in der Zeit des Nationalsozialismus, in der er als Teil des Widerstandes bekannt wurde. Gleichwohl ist seine Bedeutung über sein Wirken während des Dritten Reichs hinaus als Vorbild für die Hoffnung und Zuversicht christlicher Überzeugungen zeitlos. Dies lehrt uns, dass auch wir die Hoffnung und Zuversicht nie aufgeben sollten, scheint die Lage auch noch so ausweglos.“
(Mathilde)
 
„Bonhoeffer setzte sich für Menschlichkeit, Toleranz und gegen ein Terror-Regime ein - über die Grenzen von Religionszugehörigkeit hinweg. Seine Geschichte im Widerstand beschreibt die Ambivalenz einer der schwierigsten Fragen am besten - wann muss man dem „Rad in die Speichen fallen“? Darf man ein einziges Leben opfern, um das Leben mehrerer Hundert, Tausend oder Millionen Menschen zu retten? Diese Fragen sind bis heute nicht ausdiskutiert und Bonhoeffer musste sich diesen Fragen ganz persönlich, auch mit christlichem Hintergrund stellen. Er setzte sein Leben für das Wohl anderer Menschen ein und zeigte, dass die Kirche nicht wehrlos zusehen darf, wenn die eigenen Werte mit Füßen getreten werden. Die Geschichte Bonhoeffers beeindruckt mich und deshalb hat es eine große Bedeutung für mich, dass unsere Schule nach Dietrich Bonhoeffer benannt wurde!“
(Luca)
 
„Bonhoeffer steht für den Einsatz für Minderheiten und das Festhalten an moralischen Prinzipien. Das Ausbilden einer eigenen Identität sowie der Einsatz für die eigenen Werte, unabhängig von persönlichen Vor- oder Nachteilen, besitzt auch heutzutage eine unbeschreibliche Bedeutung, damit sich etwas wie die NS-Zeit nie mehr wiederholen kann.
Der Name unserer Schule trägt zur Erinnerung an diese Werte, an die ansonsten viel zu selten erinnert wird, bei und besitzt für mich daher eine große Bedeutung.“
(Lisa)
 

Bonhoeffer-Büste

Die Bonhoeffer-Büste in der Eingangshalle des Altbaus ist eine Spende des Landkreises Düsseldorf-Mettmann. Sie wurde anlässlich des 20. Todestages von Dietrich Bonhoeffer im Jahre 1965 von dem Wuppertaler Bildhauer und Maler Hans van Breek (Hans Breker, 1906 – 1993) nach Fotos von Bonhoeffer angefertigt.
 
 
Foto: Volker Beindorf
 

Literaturempfehlungen

Eberhard Bethge: „Bonhoeffer“, rowohlts monografien, Reinbek bei Hamburg 1976
Renate Wind: „Dem Rad in die Speichen fallen“, Weinheim und Basel 1990
 
Filmempfehlung
„Die letzte Stufe“, Spielfilm aus dem Jahr 2000