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Im zurückliegenden Jahr wurde am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium durch die Bezirksregierung Düsseldorf eine umfangreiche Qualitätsanalyse durchgeführt. Viele Monate lang hatte sich das Kollegium darauf vorbereitet, in Arbeitsgruppen zusammengestellt, worin das Profil und die Stärken unserer Schule liegen, und überlegt, was man am „Bonni“ noch besser machen kann.

Im Februar 2017 kam das mehrköpfige „Qualitätsteam“ für fast eine Woche an unsere Schule, führte verschiedene Interviews mit Lehrern, Schülern, Eltern und weiteren Mitarbeitern durch und besuchte in den verschiedensten Fächern den aktuellen Unterricht. Am Ende stand ein 75-seitiger „Qualitätsbericht“ über das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium, in dem die Ergebnisse der Kommission zusammengefasst wurden.

Wir können uns darüber freuen – in den meisten Bereichen haben wir gut, in manchen sogar hervorragend abgeschnitten; nur wenige Bereiche erwiesen sich als verbesserungswürdig.

Für mich auffallend und besonders erfreulich waren die Ergebnisse über die Zufriedenheit aller Beteiligten.

Es wurden dazu vier Aussagen untersucht:

  • Die Lehrkräfte fühlen sich zufrieden an ihrem Arbeitsplatz.
  • Die Schülerinnen und Schüler äußern Zufriedenheit mit der Schule.
  • Die Eltern äußern Zufriedenheit mit der Schule.
  • Die weiteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fühlen sich zufrieden an ihrem Arbeitsplatz.

Und in allen vier Bereichen war das Ergebnis, dass bei uns „das Kriterium  beispielhaft erfüllt ist … und als Vorbild für andere genutzt werden kann“.

Der Qualitätsbericht merkt hierzu an:

„Die in allen Interviews und in den Begegnungen während des Schulbesuchs sichtbar gewordene hohe Zufriedenheit der Mitglieder der Schulgemeinde korrespondiert mit einer an Wertschätzung, Bedarf an Transparenz und konstruktiv-kritischer sowie partizipativer Gestaltung ausgerichteten Grundhaltung der Beteiligten. Und diese hohe Zufriedenheit aller Beteiligten ist für mich ein wesentliches Merkmal (wenn auch nicht das einzige) für eine „gute“ Schule.

 Wie aber kann dieses Merkmal erreicht, wie kann diese Zufriedenheit bewirkt werden?

Hierzu ein Zitat aus einem Psychotherapie-Lehrbuch von Irving Yalom, einem bekannten Psychotherapeuten und Schriftsteller. Dieses Zitat bezieht sich zwar auf Psychologie und Therapie, es lässt sich meiner Meinung nach jedoch teilweise fast wörtlich übertragen auf Pädagogik und Unterricht:

„Vor vielen Jahren meldeten sich einige Freunde und ich zu einem Kochkurs an, der von einer armenischen Matrone und ihrem betagten Diener gegeben wurde. Da sie kein Englisch sprach und wir kein Armenisch, war die Unterhaltung nicht einfach. Sie lehrte durch Demonstration; wir schauten zu (und versuchten fleißig, ihre Rezepte nach Maßeinheiten zu verstehen), während sie eine Reihe wunderbarer Auberginen- und Lammgerichte zubereitete. Aber unsere Rezepte waren unvollkommen, und so sehr wir uns auch bemühten, wir konnten ihre Gerichte nicht nachahmen.

»Was war es«, fragte ich mich, »das ihrer Kochkunst dieses besondere Etwas gab?« Die Antwort entzog sich mir, bis ich eines Tages, als ich besonders aufmerksam das beobachtete, was in der Küche vor sich ging, unsere Lehrerin mit großer Würde und Überlegtheit ein Mahl zubereiten sah. Sie übergab es ihrem Diener, der es wortlos in die Küche zum Ofen trug und ohne zu zögern eine Handvoll ausgewählter Gewürze und Zutaten nach der anderen hineinwarf. Ich bin überzeugt, dass jene heimlichen »Zugaben« den ganzen Unterschied ausmachten.“

Und Yalom beschreibt in der Folge, was er in seiner Ausbildung jahrelang über erfolgreiche Therapie systematisch gelernt hat, und kommt zu dem Ergebnis: „Aber ich glaube wirklich, dass der Therapeut das »Eigentliche« hineinwirft, wenn niemand zuschaut“.

Die Übertragung dieser Gedanken auf Pädagogik und Unterricht ist nicht schwer, sie erinnern an die Schwerpunkte der Referendarausbildung wie Kompetenzorientierung, Medien- und Methodenvielfalt, Transparenz, Differenzierung, Schüleraktivierung, Lernerfolgskontrolle, Ergebnissicherung …..

Sicherlich ist dieses Handwerkszeug wichtig – aber das eigentliche Wesen guten und erfolgreichen Unterrichts wird davon nicht erfasst.

Was sind also diese „Zugaben“, die Gewürze, die guten Unterricht ausmachen, das „Eigentliche“, das möglicherweise an unserer Schule zu der hohen Zufriedenheit aller Beteiligten geführt hat?

Yalom zählt für die Psychotherapie solche „Zutaten“ auf wie Mitgefühl, Präsenz, Fürsorge, sich selbst öffnen, den Patienten auf einer tieferen Ebene berühren, Weisheit.

Und ich möchte, übertragen auf gelebte Pädagogik in der Schule, als die wichtigsten Zutaten bezeichnen:

  • Zuneigung und Zuwendung zu den Schülerinnen und Schülern,
  • sie mit ihren Wünschen und Sorgen ernst zu nehmen,
  • bei Bedarf Zeit für sie zu haben.

Wenn diese „Zutaten“ sich auch auf die Kolleginnen und Kollegen untereinander, die Mitarbeitenden und die Eltern erstrecken, so entsteht vielleicht in der Schule eine Atmosphäre, in der alle Beteiligten sich wohlfühlen und zufrieden sind. Und es ist kein Geheimnis, dass nur in einer angenehmen, harmonischen, angstfreien Unterrichtsatmosphäre und in einer positiven Beziehung zwischen Lehrern und Schülern erfolgreich gelernt werden kann.

Alle Schulprofile, Schulprogramme, Leitlinien einer Schule nützen nichts, wenn nicht die Gewürze, die Zutaten hinzukommen, diese Zuneigung und Zuwendung zu den Schülern und Kollegen. Und diese Zutaten können kaum gelehrt und gelernt werden; sie sind nicht äußerlich messbar, in einer „Qualitätsanalyse“ kaum erfassbar, nicht planbar – weshalb sie auch in den Lehrbüchern der Pädagogik und in der Referendarausbildung kaum erwähnt werden.

Diese Zutaten also sind es möglicherweise, die eine „gute“ Schule ausmachen - und vielleicht können wir das „Bonni“ in diesem Sinne als eine gute Schule bezeichnen.

 

 

 

Klaus Mattheß

   
© Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium